Schreib-Handwerk

Ein Mensch in Bewegung

Silvia Michèle Bergmann hat für Printmedien geschrieben und ein Fachbuch über Pressearbeit veröffentlicht, ihr neues Projekt heißt Denk!Handwerk

Wer Silvia Michèle Bergmann an ihrem Arbeitsplatz treffen will, findet die 47-Jährige entweder mit ihrem Hund im Wald, im Café, am Schreibtisch bei ihrem Arbeitgeber oder im heimischen Büro. „Meine Texte formuliere ich erst im Kopf, dann auf Papier“, sagt Bergmann, die einen Abschluss in Allgemeiner Sprachwissenschaft, Medien- und Politikwissenschaft hat. „Deshalb arbeite ich eigentlich immer und überall.“

Nach erfolgreichem Abschluss an der Uni in Düsseldorf startete Silvia Michèle Bergmann 1999 als Online-Redakteurin bei einer Internetagentur durch. „Dass mich meine erste Festanstellung nach dem Studium ins Internet und damit zu einem vergleichsweise jungen Medium geführt hat, prägt mich noch heute“, erklärt die Kommunikationsfachfrau, die in Mönchengladbach geboren und am Niederrhein aufgewaschen ist. „Damals haben wir uns gefragt, wie man eigentlich fürs Internet textet – das war 1999 ein völlig neues Arbeitsfeld für Texter. Heute beherrschen digitale Kommunikation und Social Media meinen Arbeitsalltag.“

Schritt in die Selbstständigkeit

Bis 2009 sei sie eine „ganz normale Mitarbeiterin“ gewesen, sagt Bergmann, Jahrgang 1970, und erklärt: „Mit Anfang 20 war mein Berufswunsch freie Journalistin, weil ich unabhängig arbeiten, mir meine Themen selbst suchen und für verschiedene Medien schreiben wollte. Später, mit etwa 30, kam der Wunsch hinzu, irgendwann einmal als Autorin zu arbeiten und mindestens einen Roman zu schreiben. Gut zehn Jahre später, kurz vor meinem vierzigsten Geburtstag und inmitten der Wirtschaftskrise, habe ich innegehalten und mich gefragt, wann ich eigentlich anfangen will, diese beiden Ziele in Angriff zu nehmen.“

Zu diesem Zeitpunkt verantwortete Bergmann die Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation am Institut für Innovation und Unternehmertum an der EBS Universität im Rheingau. „Meine Arbeit begeisterte mich einerseits, weil ich an der EBS mit jungen, hochmotivierten Menschen und ganz nah an Forschung und Entwicklung arbeitete. Wie wollen wir leben, was bewirken technische Entwicklungen in der Gesellschaft, wie werden wir in zehn, zwanzig, dreißig Jahren leben – diese Fragen beschäftigten uns. Andererseits fehlte mir etwas, weil ich weit weg war vom freien Journalismus und eigenen Buchprojekten.“

So zog die damals 39-Jährige die Reißleine, verließ ihre Vollzeitstelle und wagte den Schritt in den freiberuflichen Journalismus. Zunächst habe sie eine eigene Social Media-Strategie entwickelt, ihre eigene Website aufgebaut und dann Aufträge bei der Frankfurter Rundschau und ihren angeschlossenen Medien, dem Evangelischen Pressedienst (epd) und dem zur F.A.Z.-Gruppe gehörenden Innovationsmanager an Land gezogen, beschreibt Silvia Michèle Bergman ihren Weg. „Nachdem die ersten Kunden an Bord waren, habe ich mir zusätzlich zum freien Journalismus eine Teilzeitstelle in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gesucht.“ Sie habe auf die Arbeit im Team, auf die Vielseitigkeit der Public Relations und ein festes Einkommen nicht verzichten wollen.

Wandeln zwischen den Welten

Bis 2016 portraitierte die Mönchengladbacherin, die heute mit Mann und Hund in Idstein nahe Wiesbaden lebt, als freiberufliche Journalistin für den Wiesbadener Kurier Menschen an ihrem Arbeitsplatz – im Hessischen Landtag, Wiesbadener Spielkasino, technischen Labor, bei der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) oder auch im Krankenhaus auf der Onkologie – berichtete über den Arbeitsmarkt, InnovationenNachhaltigkeit und Unternehmertum.

Gleichzeitig war sie, und ist es noch heute, als PR-Redakteurin in Teilzeit angestellt und schrieb Pressemitteilungen, textete Broschüren oder postete Neuigkeiten in sozialen Netzwerken. Die PR-Arbeit habe sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert, so Bergmann. „Als Pressearbeiterin schreibe ich zwar auch heute noch Pressemitteilungen und sende sie an Redaktionen klassischer Medien wie Print, Hörfunk und Fernsehen. Immer wichtiger wird jedoch, Blogger als Meinungsbildner, Journalisten via Twitter oder Interessensgruppen über Facebook zu erreichen. Instagram, Youtube, Snapchat – das müssen Pressearbeiter heute im Blick haben.“

Viele offene Fragen

Ein Buchprojekt für den Deutschen Genossenschaftsverlag erinnerte Silvia Michèle Bergmann 2016 daran, dass es noch ein offenes Ziel auf ihrer Liste gab. „Als Co-Autorin habe ich für den DG Verlag ein Fachbuch darüber geschrieben, wie erfolgreiche Pressearbeit funktioniert. Ich dachte, wenn ich ein Fachbuch entwickeln und schreiben kann, kann ich auch einen Roman entwickeln und schreiben.“

Also hat sie sich an die Arbeit gemacht und schreibt nun ihren ersten Roman, eine Kriminalgeschichte mit philosophischem Ansatz. Wie wollen wir leben, wie entwickelt sich unsere Gesellschaft, wie werden wir in zehn, zwanzig, dreißig Jahren leben? Diese Fragen bewegen Bergmann auch als Autorin „Wer bin ich? Wer bestimmt unsere Identität? Fragen wie diese haben mich gepackt.“ Ihre Leidenschaft für Philosophie und kritische Fragen bestimmen ihre Kriminalgeschichte, verspricht die Schreib-Handwerkerin.

Ob in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, als Journalistin oder Autorin – für Silvia Michèle Bergmann stehen Glaubwürdigkeit und Seriosität an oberster Stelle. „Als Quellen für meine Kriminalgeschichte nutze ich neben persönlichen Gesprächen, Beobachtungen und Erfahrungen vor allem Fachliteratur, Medienberichte, Internetinhalte, Studien und wissenschaftliche Forschungsergebnisse, deren Seriosität ich beurteilen kann.“

Wer bestimmt unsere Identität?

Ihr Buchprojekt hat Bergmann auf die Idee gebracht, einen Philosophie-Blog zu schreiben. „Meine Arbeit als Autorin führt viel Spannendes zutage. Nur einen Bruchteil dessen kann ich für meine Geschichte verwenden. Da mich jedoch nicht nur beruflich, sondern auch privat viele Fragen umtreiben, möchte ich die Philosophie auch elektronisch mit anderen Menschen teilen“, erklärt Bergmann, warum sie das Online-Tagebuch Denk!Handwerk führt. „Ich will Menschen Mut machen, sich auf die zentralen Fragen des Lebens und die Philosophie – auch ohne Hochschulabschluss – einzulassen. Meine Erfahrung ist, dass ich meinem Leben mehr Qualität gebe, wenn ich weiß wer ich bin und wo ich stehe.“

Wenn Silvia Michèle Bergmann nicht gerade Pressemitteilungen, Geschichten oder Blog-Einträge schreibt, geht sie gerne wandern, schaut sich ein Theaterstück an oder verbringt ihre Zeit am Rhein. „Im Sommer ist für mich die Bastion von Schönborn am Rheinufer in Mainz-Kastel einer der schönsten Orte im Rhein-Main-Gebiet“, sagt sie.

Bleibt noch eine Frage offen – Bergmann lacht, weil ihr die oft gestellt wird: „Woher mein zweiter Vorname Michèle kommt? Vor meiner Geburt wurde in meiner Familie lange um meinen Vornamen gerungen. Mein Vater fand Adele schön, was meine Mutter und meine Schwester strikt ablehnten. Es musste ein Kompromiss her. Mein Vater stimmte Silvia unter der Voraussetzung zu, dass ich einen zweiten, französischen Vornamen bekomme, weil er ein großer Frankreich-Fan ist. So heiße ich heute Silvia Michèle“, erklärt Bergmann und ergänzt: „Weil der Platz in Printmedien begrenzt ist, kürze ich Michèle mit M. ab.“


Text: Silvia M. Bergmann
Die Fragen stellte Marion Grunwald